Nach Wochen und Monaten hat BP es endlich geschafft die Ölkatastrophe in den Griff zu kriegen. Mit einer Auffangglocke soll nun sämtliches austretendes Öl aufgefangen werden, bis im August dann die Entlastungsbohrungen durchgeführt und die Ölquelle endlich verschlossen werden kann.
Und jetzt? Deckel drauf und gut? Mitnichten! Die Katastrophe am Golf von Mexico ist nur die Spitze des Eisberges. Der unstillbare Durst nach dem schwarzen Öl und allen anderen Ressourcen geht weiter. Und mit China, Indien und Südamerika treten neue hungrige Mäuler auf den Weltmarkt.
Immer und überall
Die Jahrhundertkatastrophe am Golf von Mexico reiht sich ein in die vielen kleinen täglichen Katastrophen überall auf dem Globus. Das russische Pipelinenetz, das Deutschland und Westeuropa mit Öl und Gas versorgt, ist völlig marode. Und das nicht erst seit gestern. "Seit 60 Jahren wird dort Öl gefördert, und seit 60 Jahren läuft dort Öl aus.", wie ein Greenpeace-Sprecher sagt. Jährlich sind es wohl mehrere 100.000 Tonnen. Das gleiche Bild bietet sich in der Region des Nigerdeltas im Süden Nigerias. Hier kommen noch Anschläge verschiedener Rebellengruppen hinzu. Jährlich laufen nach Schätzungen 3 Millionen Barrel Öl aus.
Umweltverschmutzungen sind aber kein reines Dritte-Welt-Problem. In Kanada wird ölhaltiger Sand, laut Experten das schmutzigste Öl der Welt, abgebaut. Das Öl muss mit heißem Wasser aus dem Sand heraus gewaschen werden. Von den so täglich entstehenden 300 bis 500 Millionen Litern Produktionsabwässern, versickern rund elf Millionen Liter im Boden. Zudem werden bei diesem Verfahren große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Die Folge: In der Region ist die Tierwelt bereits um 80 % reduziert und in fünf Jahren könnte Kanada das Land mit dem weltweit höchsten CO-2 Ausstoß sein.
Doch selbst vor unserer Haustüre sieht es nicht viel besser aus. In der Nordsee wird auf rund 400 Plattformen Öl gefördert. Bei normalem Betrieb steht jede dieser Plattform in einem eigenen Ölteppich. Der Grund: Gefördert wird natürlich kein reines Öl sondern ein Gemisch aus Öl, Wasser und Gas. Nach der Trennung wird das ölhaltige Wasser einfach wieder ins Meer gelassen. Filterung möglich aber nicht vorgeschrieben.
Doch damit nicht genug. 1990 wurde bei der Suche nach Öl eine Gasblase angebohrt. Es kam zu einem riesigen Methan-Blowout. Die Ölbohrinsel wurde abgezogen und suchte woanders weiter. Noch heute strömt das Methan aus dieser Quelle. Rund ein Viertel des gesamten Methansausstoßes der Nordsee. Dazu muss man wissen, dass Methan im Vergleich zu CO-2 das weitaus schlimmere Klimagas ist.
Wer nun glaubt aus all diesen Katastrophen würden Lehren gezogen, für den gibt es noch ein letztes Beispiel. Bereits 1979 gab es im Golf von Mexico einen Blowout. Damals wie heute sprühte man chemische Mittel um das Öl aufzulösen. Damals wie heute wollte man mit schwimmenden Barrieren das Öl von den Küsten fern halten. Damals wie heute versuchte man das Leck mit der Top-Kill-Methode zu schließen. Damals wie heute scheiterte anschließend der Versuch, es mit eine übergestülpten Glocke einzusammeln. Damals wie heute war die Ursache ein Versagen eines Sicherheitsventils.
Höher, schneller, weiter
Anstatt aus der Finanzkrise und der Ölkatastrophe irgendetwas zu lernen setzt die Politik international weiter auf Wachstum – um jeden Preis. Statt auf ein nachhaltiges Wirtschaften umzusteuern, bedient man die Verschwendungssucht, die zugleich Antrieb und Ziel unseres Wirtschaftssystems ist. Im US-Wahlkampf 2008 fassten die Republikaner ihre Energiepolitik (den Ausbau von Ölbohrungen) unter der griffigen Formel „Drill, Baby, Drill!“ zusammen.
Zwei Worte, die die ganze Leichtfertigkeit und Bedenkenlosigkeit des Amarican Way of Life zum Ausdruck bringt. Wenn wir mehr brauchen besorgen wir uns mehr. Auf die Idee sich einzuschränken, weniger zu verbrauchen, kommt man erst gar nicht.
Zwei andere Worte die für diesen Weg stehen sind Sarah Palin. Sie war es, die diesen Ausspruch berühmt machte. Sie war es, die kurz nach der Katastrophe sagte, dass sie „ein Fan von Tiefseebohrungen bleibe“. Und sie ist es, die gerade bekannt gab, in den letzten drei Monaten mehr als 865.000 Dollar an Spenden erhalten zu haben. Offenbar bereitet sie eine Präsidentschaftskandidatur für 2012 vor.
Aber Amerika ist überall. Auch die deutsche Energiepolitik zeigt sich einfältig statt einsichtig. Schwarz-gelb bereitet eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten vor, ohne ein Atommüllendlager zu haben. Und die SPD klammert sich in ihrem Überlebenskampf an die Kohlekraft als könnte die Vergangenheit ihre Zukunft retten. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer. Im Volk wächst offenbar der Wunsch nach einer Veränderung. Die Grünen erreichen in den aktuellen Umfragen die Volljährigkeit. Vielleicht der Beginn einer erwachsenen Energiepolitik?
Dirk Weißenfels
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